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Herbst – Stimmung

 

 

 

 

 

 

 

 

Wieder ist es Herbst geworden
Stürmisch bläst der Wind von Norden
Alle Vögel groß und klein
finden sich am Kirchturm ein
Wetterhahn dreht sich im Kreise
Fliegt zum Süden!
Gute Reise.
Verfasser unbekannt.

Ja es ist nicht mehr zu übersehen, das viele Laub am Boden, das Rascheln unter unseren Füßen. Wie nur das Wild es immer schafft, fast geräuschlos durch seinen Lebensraum zu streifen?
Eicheln Buchen Hainbuche und Ahorn  fallen großzügig von ihren Bäumen verteilt neben den welken Blättern ihre verstreuen großzügig ihre Samen. Die Sonne hat noch Kraft, aber es streift ein deutlich kühler gewordener Wind durch das Geäst und über die abgeernteten Felder.
Erntedankfeste werden angekündigt. Hier ein Kartoffelfest, da ein Apfelfest, da ein Weinfest, da ein Flohmarkt… Alle wollen wir nicht besuchen, aber es ist im oft tristen Alltag eine willkommene Abwechselung in der Nähe. Man trifft Menschen, unterhält sich, erfährt Neues.
Mit unseren Hunden besuchen wir solche Menschenansammlungen nicht, es wäre für die Oldies Stress.
Die große Hitze ist vorbei. Wir erwarten freudig Besuch von der auch alt gewordenen Verwandtschaft. Früher war und blieb man  häufiger am Ort und in der Nähe, besuchte sich häufiger, blieb in Kontakt, konnte sich helfen, wenn es erforderlich war.

In Zeiten von Flucht und Vertreibung  wurden viele Familien weit zerstreut, aber auch ohne den Hintergrund  ist es heute wohl so, dass Kinder weiter  weg ziehen. Man wird sich erkennbar fremder.
Wir Alten , alt gewordenen hängen mehr an der Scholle, an dem, was unsere Heimat ausmacht. Wir kennen uns aus, haben unseren vertrauten Wohnbereich unser Umfeld geschaffen. Wissen die Wege zum Einkaufen, wo wir was kaufen, die Apotheke die Ärzte und wenn man wie wir das Glück hat, hat man eine solche  Nachbarschaft, in der man in Frieden lebt. Sich grüßt, sich mal unterhält und notfalls auch mal klingeln darf.

Was macht die Entfernung mit uns? Die Erlebnisse so entfernt lebender Kinder oder Verwandten sind so anders als die Eigenen. Es haben sich Ansichten und  Handlungen herausgebildet, die nicht mehr so die Unseren sind.  Die erlebte Zeit  der Anderen ist so grundverschieden von der Unseren. Man bemüht sich um Verständigung, ist tolerant. Vieles aber ist nicht der Weg, den wir gegangen sind. Den wir gegangen wären, wären wir näher beieinander geblieben. Ich bin sicher, da hätte es bei aller Liebe, allem Zusammengehörigkeitsgefühl auch Konflikte gegeben, die uns so erspart bleiben.
Ja, der Herbst, die morbide Schönheit dieser Tage macht nachdenklich. Beim Gehen im Wald raschelt es nicht nur unter den Füßen fallen nicht nur Früchte von den Bäumen und kleine Äste und  Laub.
Auch in unseren Köpfen raschelt es, wir lachen, wir träumen, wir reden und fühlen doch das leichte herbstliche Frösteln. Spüren das immer schneller ablaufende Maßband unseres Lebens. Wir lang war früher ein Jahr, ein Monat, eine Woche und heute? Alles fliegt nur noch so dahin, die technische Entwicklung fliegt an uns vorbei.
Was haben wir an Entwicklungen in unserer Lebenszeit so mitbekommen, Eisenbahn, Dieselzüge, Telefon, Fernsehen,  Handy, Smartphon und mehr. Computer, Kriege, sie uns nicht mehr betrafen, die aber immer näher rücken und die folgen davon. Wachstum und soziale Entwicklung, medizinische Entwicklung, Veränderungen in der Gesellschaft, in der die Religion fast keine Rolle mehr spielt, (Anders ist es bei Zugewanderten mit ihrer und fremden Religion).  Die Gesellschaftliche Entwicklung der Gemeinsinn, die Achtsamkeit füreinander, Hilfsbereitschaft und all diese Tugenden, gehen heute mächtig wieder rückwärts. Wir erlebten erste Satelliten, erste Menschen im All, Unglücke durch Technik, Bösartigkeit von Menschen, durch Naturkatastrophen. Dauerte es früher lange, bis wir was  davon erfuhren, so ist alles sehr schnell heute auf unserem Bildschirm.  Das macht es, daß wir bald schwindelig werden, von guter alter Zeit sprechen, wo doch noch alles verständlicher war und ruhiger verlief.
Wie soll es weiter gehen??? Es wird weiter gehen und nur noch weniger  davon werden wir mitkriegen. Wir sind ja jetzt schon ausgestiegen aus dem fahrenden Zug, weil wir viele technische Möglichkeiten nicht mehr nutzen können und wollen. Wir erleben seltener menschliche Wärme, schon gar nicht dort, wo sie so wichtig ist, z B. in Krankenhäusern, Praxen. Zum Glück gibt es sie noch, wenn man sie am wenigsten erwartet, wird sie uns geschenkt. Und das ist so toll!
Der Zug  des Leben rollt. Er scheint immer schneller zu rollen und irgendwann kommt das Haltesignal. Wie wird der Bahnhof aussehen, wo wir empfangen werden?
Herbst- Nachdenklichkeit, ein wenig Wehmut und Traurigkeit und dennoch auch Neugier und Freude!

Karin Oehl

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